Spamfilterung
Neben den gewünschten Emails erhalten Sie in der Regel auch viel unerwünschte Post. Dieses vielfältige Phänomen ist mit dem Begriff „SPAM“ zusammengefasst. Der Name kommt von einem Sketch der englischen Komikertruppe „Monty Python“ bei der ein Gast in einer Kneipe immer minderwertiges Dosenfleisch (Spiced Ham ist heute noch deren Markenname!) als Beilage dazubekommt, egal was er bestellt.
Es gibt mehrere Strategien, damit umzugehen. Zu den Anfängen des Internet war es noch möglich, die wenige unverlangte Mail durch einen Tastendruck einfach zu löschen. Heute ist das Aufkommen an unverlangter Mail mit mehr oder weniger bösartigen Inhalten so hoch, dass an allen Fronten dagegen gekämpft werden muss.
Ein Teil des Kampfes findet bereits vor dem Mailserver statt. Jeder Zustellversuch einer Nachricht wird nach vielen Kriterien untersucht. Manche Kriterien sind so klar, dass bereits der Zustellversuch abgebrochen wird. In diesem Fall kommt die Mail nicht bis Ihr Postfach. Falls es sich doch um erwünschte Mail gehandelt hatte (was sehr unwahrscheinlich ist), ist es die Aufgabe des sendenden Mailservers, dem legitimen Absender eine „Ablehnungsmail“ zuzustellen. So merkt der Absender, dass die Zustellung nicht geklappt hatte.
Das Post- und Fernmeldegeheimnis (immerhin Artikel 10 des Grundgesetzes) verbietet jeden Eingriff ins das Postwesen. Das Löschen von Mails im Rahmen der SPAM-Bekämpfung ist daher ein relativ heikles Thema. Im Grunde gilt: Wurde eine Mail einmal vom Mailserver angenommen, muss sie zugestellt werden. SPAM-Versender hätten nach diesem Grundsatz freie Hand. Da das niemand will, gibt es einen SPAM-Detektor auf meinem Mailserver, die die Mails kennzeichnet, statt sie zu löschen.
Für jede Mail ermittelt er einen „Score“, also eine Punktzahl, eine Wahrscheinlichkeit mit der es sich nach Ermitlungen des SPAM-Detektors um SPAM handelt. Ist der Detektor sich fast sicher, dass es sich um SPAM handelt, schreibt er „***SPAM***“ in die Überschrift Ihrer Mail. Sie könnten nun Ihr Mailprogramm so einrichten, dass es diese Art Mails in einen speziellen Ordner filtert oder gleich löscht – wie Sie es machen bleibt Ihnen überlassen.
Warum nicht gleich löschen?
Wie wir Menschen auch, ist auch Software nie perfekt. So könnte es sein, dass jemand Ihnen Mail sendet, die Sie gerne empfangen möchten, aber beispielsweise geht es in der Mail um Rolex-Uhren. Da neben dem üblichen „Schweinkram“ auch für gefälschte Uhren viel SPAM um die Welt geht, kann es sein, dass der SPAM-Detektor sich irrt. Nur Sie als letzte Empfängerin können das wissen. Solche Art falsch markierte Mail nennt man „Ham“ (Schinken) im Gegensatz zum Dosenfleisch.
Mit Ihrem Mailprogramm „Thunderbird“ (und vielen anderen auch) sind nun zwei Arten der Filterung und sogar eine Kombination davon möglich:
- Sie vertrauen auf die Kennzeichnung durch den Mailserver und richten einen Filter ein, der allein nach der in „***SPAM***“ veränderten Überschrift testet.
- Sie filtern etwas genauer auf den „Spam-Score“ des Mailservers
- Sie trainieren den eingebauten SPAM-Filter Ihres Mailprogramms forlaufend
Natürlich ist auch eine Kombination von allem möglich (und bei Kombination von Nr. 2 und 3 sogar sinnvoll).
So richten Sie einen Filter auf die Spamkennzeichnung des Mailservers ein (1. Fall):
Sie wählen im Menü von Thunderbird „Extras → Filter“:

.. und erstellen mit dem Klick auf „Neu…“ eine neue Filterregel:

Im oberen der beiden Fenster tragen Sie ein “Betreff — enthält —„***SPAM***“” – denn nach diesem von meinem Mailserver markierten Kennzeichen filtern wir.
Vergessen Sie nicht im unteren Teil umzustellen auf “Verschiebe Nachricht in… — Junk in [Ihr Mailboxname]”
Trifft Thunderbird nun auf eine vom Mailserver entsprechend markierte Mail, bleibt sie nicht im Posteingang, sondern wird sofort in den Ordner “Junk” verschoben. Dort sollten Sie allerdings von Fall zu Fall nachsehen, ob nicht fälschlich eine erwünschte Mail als SPAM markiert wurde.
Es gibt aber eine deutlich
Flexiblere Methode
Der 2. Fall der obigen Liste: Wir filtern jetzt nicht nach dem Betreff, Absender oder Text der Mail, sondern nach einem in der Mail „versteckten“ Kennzechen: Der Mailserver hat beim Weg durch seinen Spamdetektor die Mail gekennzeichnet. Die Kennzeichnung befindet sich aber weder im Betreff noch im Text der Mail, sie steht im sogenannten „Mailheader“. In ihm finden sich auch viele andere Hinweise, nämlich von welchem Rechnder die Mail ausgesendet wurde und welchen Weg sie genommen hat und zu welcher Uhrzeit.
So sieht ein typischer Mailheader (mann kann auch Kopfzeilen sagen) einer typischen SPAM-Mail aus:
SPAM header
In der 14. und 15. Zeile lesen wir:
X-Spam-Score: 33.31
X-Spam-Level: ********************************
Das ist das Kennzeichen, nach dem wir suchen wollen. Es bedeutet, dass der Spamdetektor eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für SPAM ausgemacht hat, nämlich über 33. Dementsprechend viele Sterne finden wir in der Zeile darunter. Die variable Anzahl der Sterne ermöglicht uns nun, relativ einfach eine Filterung durch das Mailprogramm Thunderbird einzurichten: Wäre der Spam-Score nur 6, gäbe es nämlich genau 6 Sterne in dieser Zeile, – bei dreien drei. Wenn wir also nun einen Filter auf „X-Spam-Level: *****“ einrichten wird er auf alle Mails zutreffen, deren Spam-Score fünf oder größer ist: Mehr Sterne werden von dieser Regel erfasst, weniger dagegen nicht. Schlau gemacht, oder?
„Extras → Filter“ und dann „Neu…“ haben wir schon geklickt. Nun müssen wir aber erst noch das neue Schlüsselwort „X-Spam-Level“ einrichten: Wir gehen dazu auf das Drop-Down-Menü ganz links und dann auf „Anpassen…“:

Im darauffolgenden Dialogfenster legen wir einfach das gewünschte Wort (mittels einem Klick auf “Hinzufügen”) an, markieren es einmal (es wird blau) und klicken dann auf OK:

Nun müssen wir weiter rechts noch die Mindestzahl von Sternen eingeben, ab denen der Spamfilter „zuschlagen“ soll, hier sind es fünf:

Und wieder dürfen wir nicht vergessen die gewünschte Aktion (Verschieben in den Ordner „Junk“) auszuwählen.
Gibt es auch einen Virenschutz auf dem Mailserver?
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Andreas Delleske am 7. Oktober 2011, 17:49