Brother: Firmware-Update mangelhaft. (Testbericht)

Meine Aufgabe war es, die Firmware eines Multifunktionsgeräts von Brother “MFC-8860DN” bei einem Kunden zu aktualisieren. Das Gerät selbst ist per IP mit einem Browser anzusprechen, man sollte also annehmen daß es sich in heterogene Netzwerke (Linux, Macintosh) einfügen wird. Das war auch Entscheidungsgrund für dieses Gerät.

Es gelang uns auch den enthaltenen Netzwerkdrucker in Betrieb zu nehmen, wir faxen damit, aber (noch?) nicht über Netzwerk.

Die Firmware befindet sich auf dem Versionsstand 1.15, auf der Brother-Homepage wird auf der Downloadseite für den MFC-8860DN eine Version 3.0 angeboten. Wir benötigen das Update aus einer Reihe von Gründen.

Auf der Konfigurationsseite des Faxdruckers gibt es keine Möglichkeit, ein neues Firmware-Image hochzuladen, wie es millionenfach üblich ist, wie zum Beispiel bei AVM (Fritzbox), Netgear, D-Link und viele andere Hersteller.

Es gibt aber zwei Eingabefelder “Firmware-Dateiname” und “TFTP-Serveradresse”: Linuxkundige wie ich nehmen also an, man müsse einen TFTP-Server einrichten und dann die Datei übertragen. Obwohl schon kompliziert genug für einen Normalanwender, das sollte zu schaffen sein.

Nun bietet Brother zwar etwas für Macintosh an (lobenswert, falls es funktioniert) und eine Software zum Download für Windows, aber Linux wird mit keinem Wort erwähnt. Als würden nicht in vielen Betrieben und noch mehr Behörden wie in München schon Linux massenweise laufen, vermutlich in größeren Stückzahlen als mit Mac-OS. Brother interessiert dieser Markt nicht.

Meine Mailrückfrage bei Brother ergab: Benutzen Sie Windows. Nicht gerade hilfreich. Scheinbar hat Brother selbst keine Idee davon daß man bei Linux (egal welche Distribution, wir verwenden Ubuntu, also Debian) normalerweise mit ein paar Kommandozeilen einen TFTP-Server installieren kann.

Nun bleibt mir nichts anderes übrig, ein Windowsgerät mit Windows XP auszuleihen, da in der ganzen Firma aus Sicherheitsgründen kein Windows existiert.

Ich lade also die Software herunter und starte sie: Sie verlangt nach Java.

Also gehe ich wieder auf die Supportwebseite und dort wird gesagt wie man nachsehen kann ob Java installiert ist. Ich sehe nach und ja, die JRE 1.4.2 ist installiert, genau wie Brother es verlangt. Es läuft aber trotzdem nicht, Java ist wohl nicht Java! Die “JRE 1.4.2” – also die identische Software mit identischem Versionsstand kam schon über die Firma Auerswald auf den Rechner, aber die liefern wenigstens alles mit was man benötigt. Nicht so Brother.

Ich bin also gezwungen nochmal bei Sun die “Java Runtime” herunterzuladen. Wozu soll man das übernhaupt brauchen? Warum ist die Java-Runtime nicht schon mit dem Updateprogramm dabei? Was hat Java für Sicherheitsprobleme? Wer pflegt mir nachher das Java-Paket, wieviele Ressourcen wird es fressen?

Ich lade also die Runtime herunter (alles in allem habe ich nun fast zwei Stunden über mehrere Tage verteilt mit dem Update verbracht) und installiere sie über die zweite.

Das Programm startet zwar, aber dann: “Es kann kein zu aktualisiertes Gerät gefunden werden!”

Leider gibt es keine EU-Normen für die Handhabung von Software, die die Hersteller zu einem Standard zwingen. Es wäre eigentlich so einfach.


Andreas Delleske am 29. Januar 2009, 12:04


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